Überspringen von Schulstufen

Rechtsgrundlage: SchUG 26, 26 a; SchUG-B 29. Erlass BMU vom 16. Februar 2006; ZI. 12.660/0005-111/3/2006 (= RS BMU N r. 6/2006).

a) Bestimmungen des SchUG zum Überspringen von Schulstufen:

  • Ein Schüler, der auf Grund seiner außergewöhnlichen Leistungen und Begabungen die geistige Reife besitzt, am Unterricht der übernächsten Schulstufe teilzunehmen, ist gemäß SchUG 26/1 auf sein Ansuchen in die übernächste Stufe der betreffenden Schulart aufzunehmen.
  • Ein Überspringen von Schulstufen mit gleichzeitigem Wechsel der Schulart (z. B. von der 2. Klasse Hauptschule direkt in die 4. Klasse AHS etc.) ist unzulässig; das Überspringen einer Schulstufe ist nur innerhalb der Schulart möglich, in der sich der Schüler beim Überspringen befindet. Wohl ist aber sowohl in der Volksschule als auch in der AHS ein Überspringen möglich.
  • Die Aufnahme in die übernächste Schulstufe ist nur zulässig, wenn eine Überforderung in körperlicher und geistiger Hinsicht nicht zu befürchten ist. Im Zweifel ist der Schüler einer Einstufungsprüfung und allenfalls auch einer schulpsychologischen und/oder schulärztlichen Untersuchung zu unterziehen (SchUG 26/1).
  • Schüler der Grundschule (Volksschule) dürfen nur dann in die übernächste Schulstufe aufgenommen werden, wenn dadurch die Gesamtdauer des Grundschulbesuches (normalerweise 4 Jahre) nicht weniger als 3 Schuljahre beträgt (SchUG 26/1). Durch diese Bestimmung wird sichergestellt, dass die Gesamtdauer des Grundschulbesuches mindestens 3 Jahre zu betragen hat. In der Volksschule kann daher nur einmal eine Klasse (2. oder 3. Klasse) übersprungen werden.
  • An Schularten mit Leistungsgruppen (z. B. Hauptschulen) muss der Schüler in allen leistungsdifferenzierten Pflichtgegenständen (Deutsch, Englisch, Mathematik) die höchste Leistungsgruppe besuchen und muss die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht der jeweils höchsten Leistungsgruppe in der übernächsten Stufe zu erwarten sein (SchUG 26/2).
  • Zur Entscheidung über das Überspringen einer Schulstufe ist die Schulkonferenz zuständig. Wenn der Schüler bei einer Aufnahme in die übernächste Stufe jünger wäre, als der Schulstufe (auch unter Bedachtnahme auf eine etwaige vorzeitige Aufnahme in die Grundschule) entspricht, so hat die Schulbehörde 1. Instanz (bei Pflichtschulen der Bezirksschulrat, bei Bundesschulen der Landesschulrat) die Aufnahme zu bewilligen, wenn der Schüler auf Grund einer Einstufungsprüfung vor einer von der entscheidenden Behörde zu bestellenden Prüfungskommission außergewöhnlich geeignet erscheint (SchUG 26/3). Zur Vermeidung einer Überforderung des Schülers wird an das Erfordernis der außergewöhnlichen Eignung ein strenger Maßstab anzulegen sein (Erl. Bemerkungen zum Gesetz). Ausnahmen: Siehe Punkt b.
  • Ein Überspringen einer Schulstufe ist je ein Mal in der Grundschule (= 2. oder 3. Klasse Volksschule), nach der Grundschule bis einschließlich der 8. Schulstufe (= Hauptschule oder AHS-Unterstufe) und nach der 8. Schulstufe (= BMHS oder AHS-Oberstufe) zulässig (SchUG 26/3).
  • Insgesamt kann ein Schüler also maximal 3 Schulstufen überspringen: je ein Mal in der Volksschule, in der Unterstufe und in der Oberstufe. Ein Überspringen der Schulstufe ist nicht möglich, wenn dadurch direkt die Schulart gewechselt würde.
  • Stellt sich nach der Aufnahme in die übernächste Schulstufe heraus, dass die Voraussetzungen für den Besuch der betreffenden Schulstufe doch nicht gegeben sind, so hat der Schulleiter mit Zustimmung des Schülers dessen Aufnahme in die nächste Schulstufe zu widerrufen und gleichzeitig seine Aufnahme in die nächste Schulstufe anzusprechen. Der Widerruf bzw. die Aufnahme in die nächste Schulstufe ist jedoch nur bis zum Ende des Kalenderjahres der Aufnahme in die übernächste Schulstufe zulässig (SchUG 26/4). Ein solcher Widerruf muss daher bis Ende Dezember erfolgen, sodass der Schüler spätestens mit Jänner in die tiefere Schulstufe eintreten kann.
  • Das Überspringen einer Schulstufe kann auch bei Fortsetzung des Schulbesuchs an einer im Inland gelegenen Schule nach Unterbrechung infolge eines im Ausland absolvierten Schulbesuchs zur Anwendung kommen, doch wird hier im Regelfall eine Einstufungsprüfung durchzuführen sein, da wegen des Fernbleibens von der österreichischen Schule in der Regel die Feststellung nicht gesichert erscheint, dass eine Überforderung in körperlicher und geistiger Hinsicht nicht zu befürchten ist.

b) Überspringen an den „Nahtstellen":

  • Mit einer Novelle wurde § 26 a in das SchUG eingeführt. Damit wird die Möglichkeit des Überspringens von Schulstufen an den so genannten „Nahtstellen" ermöglicht.
  • Als „Nahtstelle" ist der Übergang von der letzten Stufe einer Schulart (bei der Volksschule auch die 4. Stufe) in die erste Stufe einer anderen Schulart zu verstehen, wobei das Überspringen nach SchUG 26 a/1 von der letzten Stufe der bisherigen Schulart in die zweite Stufe der neuen Schulart und nach SchUG 26 a/2 von der vorletzten Stufe der bisherigen Schulart in die erste Stufe der neuen Schulart möglich ist.
  • Gemäß SchUG 3/6 lit. b ist ein Aufnahmsbewerber, der die Aufnahme in eine Schulstufe anstrebt,
    • ohne durch ein Zeugnis zur Aufnahme in die betreffende Schulstufe berechtigt zu sein (SchUG 3/6 lit. a), ferner
    • nicht jünger ist als der betreffenden Schulstufe entspricht (SchUG 3/6 lit. b), und
    • nicht im unmittelbar vorhergegangenen Schuljahr eine Schulstufe besucht hat, deren erfolgreicher Abschluss zur Aufnahme in die angestrebte Schulstufe berechtigt, vom Schulleiter zur Ablegung einer Einstufungsprüfung zuzulassen. Zweck dieser Einstufungsprüfung ist die Feststellung, ob die Vorbildung des Aufnahmebewerbers für die angestrebte Schulstufe ausreicht (SchUG 3/6).
  • Die Einschränkung der Altersgemäßheit für die angestrebte Schulstufe (SchUG 3/6 lit. b, siehe oben) wird im Fall des Überspringens einer „Nahtstelle" durch einen besonders begabten Schüler unter gewissen Bedingungen außer Kraft gesetzt.
  • Auf die Aufnahme in eine höhere Stufe einer Schulart, als es dem Alter des Aufnahmebewerbers entspricht, findet SchUG 3/6 lit. b (siehe oben) auf Ansuchen des Schülers dann nicht Anwendung, wenn
    • bei einem unmittelbar vorangehenden Schulbesuch in Österreich die betreffende Schulstufe mit ausgezeichnetem Erfolg (oder unter sinngemäßer Anwendung von SchUG 22/2 lit. g) abgeschlossen wurde,
    • die Klassenkonferenz feststellt, dass der Schüler auf Grund seiner besonderen Leistungen und Begabungen mit großer Wahrscheinlichkeit den Anforderungen der angestrebten Schulstufe und Schulart genügen, und
    • eine Überforderung in körperlicher und geistiger Hinsicht nicht zu befürchten ist.
  • Im Zweifel ist der Schüler einer Einstufungsprüfung und allenfalls auch einer schulpsychologischen und/oder schulärztlichen Untersuchung zu unterziehen (SchUG 26a/1).
  • Zuständig für die Feststellung der besonderen Begabung des Schülers ist die Klassenkonferenz der „abgebenden Schule", da diese die besonderen Leistungen und Begabungen des Schülers kennt. Ferner besteht für einen in die neue Schule aufzunehmenden Schüler noch keine zuständige Klassenkonferenz. Der das Aufnahmeverfahren durchführende Schulleiter hat daher das Gutachten der zuständigen Klassenkonferenz der „abgebenden Schule" anzufordern, sofern dieses nicht dem Aufnahmeansuchen beigelegt wurde.
  • Ob die Voraussetzungen für das Überspringen an einer Nahtstelle vorliegen, hat der das Verfahren durchführende Schulleiter der aufnehmenden Schule zu prüfen. Wenn nach diesen Prüfungen noch Zweifel bestehen, hat er nach SchUG 26 a letzter Satz vorzugehen, d. h. nach den Erfordernissen eine Einstufungsprüfung anzusetzen und/ oder ein schulpsychologisches und/oder ein schulärztliches Gutachten einzuholen.
  • Für diese Einstufungsprüfung bestehen keine Vorschriften. Ergebnis dieser Prüfung hat eine gutachtliche Äußerung über die leistungsmäßige Eignung für den angestrebten Schulbesuch zu sein. Dementsprechend ist der oder sind die Prüfer von dem das Verfahren durchführenden Schulleiter zu bestellen.
  • Sofern der erfolgreiche Abschluss der 4. Stufe der Volksschule oder der 4. Klasse der Hauptschule (bzw. der 8. Schulstufe) Voraussetzung für die Aufnahme in die 1. Stufe der Hauptschule, einer mittleren oder höheren Schule ist, ist diese Voraussetzung auf Ansuchen des Schülers auch durch den erfolgreichen Abschluss der 3. Stufe der Volksschule oder der 3. Klasse der Hauptschule (bzw. der 7. Schulstufe) gegeben, wenn
    • diese Schulstufe mit ausgezeichnetem Erfolg (oder unter sinngemäßer Anwendung von SchUG 22/2 lit. g) abgeschlossen wurde,
    • die Klassenkonferenz feststellt, dass der Schüler auf Grund seiner besonderen Leistungen und Begabungen mit großer Wahrscheinlichkeit den Anforderungen der angestrebten Schulstufe und Schulart genügen wird, und
    • eine Überforderung in körperlicher und geistiger Hinsicht nicht zu befürchten ist.
  • Im Zweifel ist der Schüler einer Einstufungsprüfung und allenfalls auch einer schulpsychologischen und/oder schulärztlichen Untersuchung zu unterziehen (SchUG 26 a/2).
  • Entscheidungen über Ansuchen in Bezug auf das Überspringen einer Schulstufe an „Nahtstellen" sind den Schülern unverzüglich unter Angabe der Gründe und, sofern dem Ansuchen nicht vollinhaltlich stattgegeben wurde, der Rechtsmittelbelehrung bekannt zu geben (SchUG 26 a/3).
  • Gegen die Entscheidung des Schulleiters ist gemäß SchUG 71/2 lit. g die Berufung an die Schulbehörde erster Instanz (LSR bzw. SSRfW) zulässig. Ein weiteres ordentliches Rechtsmittel ist ausgeschlossen.
  • Zur Rechtsmaterie „Überspringen einer Schulstufe an Nahtstellen" hat das BMU einen erläuternden Erlass herausgegeben (Erlass BMU vom 16. Februar 2006, ZI. 12.660/0005-111/3/2006, RS BMU Nr. 6/2006). Daraus seien im Folgenden wesentliche Ausführungen zitiert.
  • Das Überspringen an den Nahtstellen umfasst zwei Varianten: Einerseits kann nunmehr die letzte Stufe einer Schulart „übersprungen" werden, andererseits kann auch die Aufnahme gleich in die 2. Stufe einer Schulart erfolgen. In beiden Fällen entscheidet über die Aufnahme der Leiter jener Schule, deren Besuch durch das Überspringen angestrebt wird. Voraussetzungen für die Ausnahme sind:
    • Die zuletzt besuchte Schulstufe muss mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen worden sein; dort, wo dieses Kalkül nicht vorgesehen ist (Volksschule), sind die Bestimmungen über den ausgezeichneten Erfolg gemäß SchUG 22/2 lit. g sinngemäß anzuwenden.
    • Die Klassenkonferenz muss die Prognosefeststellung treffen, dass der Schüler auf Grund seiner besonderen Leistungen und Begabungen mit großer Wahrscheinlichkeit den Anforderungen der angestrebten Schulstufe genügen wird. Das Gesetz macht an dieser Stelle für die Volksschule keine Ausnahme und sieht auch dort (trotz Klassenlehrersystem) die Entscheidung der Klassenkonferenz und nicht der Schulkonferenz vor. Durch die Neufassung des § 57 SchUG kommt es nun nicht mehr zu einer Übertragung der Entscheidungsbefugnis auf die Schulkonferenz. Auf Grund der geringen personellen Zusammensetzung der Klassenkonferenz in der Grundschule empfiehlt sich hier die Vorsitzführung durch den Schulleiter selbst oder durch einen von ihm beauftragten Lehrer (zusätzlich zum Klassenlehrer und den sonstigen Lehrern der Klasse). Darüber hinaus kann die Beiziehung auch anderer Personen (z. B. anderer Lehrer der Schule, Lehrer der aufnehmenden Schule, Schulpsychologe, Eltern etc.) zu den Beratungen in dieser Konferenz zweckmäßig sein.
    • Eine Überforderung des Schülers darf weder in körperlicher noch in geistiger Hinsicht zu befürchten sein. Im Hinblick auf die Feststellung der Klassenkonferenz (Prognose, die ja auch jene einer allfälligen Überforderung inkludieren wird) kann letztendlich die Frage einer allfälligen Überforderung in körperlicher und geistiger Hinsicht nur vom Leiter der aufnehmenden Schule zu beurteilen sein. Sollte der Schulleiter diesbezüglich Zweifel hegen, so hat er eine Einstufungsprüfung anzuberaumen. Unter Umständen kann zusätzlich zu dieser Einstufungsprüfung auch ein schulpsychologisches und/oder schulärztliches Gutachten eingeholt werden. Die Einstufungsprüfung kann gemäß SchUG 3/6 unter den dort genannten Voraussetzungen auch entfallen.

c) Das Überspringen eines Semesters an Schulen für Berufstätige:

  • Ein Studierender an einer Schule für Berufstätige (z. B. an einer AHS für Berufstätige) ist gemäß Schulunterrichtsgesetz für Berufstätige (SchUG-B 29/1) auf sein Ansuchen in das übernächste Semester aufzunehmen, wenn er auf Grund seiner außergewöhnlichen Leistungen die Voraussetzungen zur erfolgreichen Teilnahme am Unterricht im übernächsten Semester aufweist.
  • Pflichtgegenstände, die in dem zu überspringenden Semester abgeschlossen werden, gelten als nicht beurteilt (SchUG-B 29/1). Daher ist über diesen Pflichtgegenstand ein Kolloquium abzulegen. Bei Nichtablegung bzw. nicht erfolgreicher Ablegung des Kolloquiums (einschließlich der Wiederholungsmöglichkeiten) ist ein weiteres Aufsteigen in das nächstfolgende Semester nicht zulässig, vielmehr hat der Studierende diesfalls das übersprungene Semester bzw. den nicht beurteilten Pflichtgegenstand zu wiederholen (Erl. Bemerkungen zum Gesetz).
  • Über das Ansuchen des Studierenden entscheidet eine aus den Lehrern der Klasse bestehende Lehrerkonferenz. Dem Studierenden ist im Rahmen der Beratung über seinen Antrag durch die Lehrerkonferenz Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben (SchUG-B 29/2).

d) Zusammenfassung:

  • Ein Schüler, der auf Grund außergewöhnlicher Leistungen und Begabungen die geistige Reife besitzt, am Unterricht der übernächsten Schulstufe teilzunehmen, ist auf sein Ansuchen in diese aufzunehmen, sofern keine geistige und körperliche Überforderung zu befürchten ist. Im Zweifelsfall Einstufungsprüfung bzw. schulpsychologische und/oder schulärztliche Untersuchung. Entscheidung durch Schul- bzw. bei Schulen mit Abteilungsgliederung durch Abteilungskonferenz.
  • Wenn der Schüler bei Aufnahme in die übernächste Schulstufe jünger wäre, als der Schulstufe entspricht, ist die Bewilligung von der Schulbehörde 1. Instanz nach Einstufungsprüfung zu erteilen (Ausnahmen: SchUG 26 a).
  • Ein derartiges Überspringen von Schulstufen ist je einmal in der Grundschule, in der Unterstufe und in der Oberstufe zulässig (also maximal dreimal).
  • Stellt sich das Überspringen als nicht zweckmäßig heraus, hat der Schulleiter mit Zustimmung des Schülers diesen bis spätestens Ende des Kalenderjahres (Weihnachten) in die niedrigere Klasse zurückzustufen.

(Zuletzt aktualisiert: Juni 2009)


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