Überspringen von Schulstufen

Rechtsgrundlage: Schulunterrichtsgesetz §§ 26 Abs.1-4, 26a Abs. 1-3, 26b Abs. 1-4, 26c Abs.1-3.

Kurzüberblick:

Seit 1974 haben (hoch-)begabte SchülerInnen die Möglichkeit zum Überspringen von Schulstufen (§ 26 SchUG) und können somit auf Grund ihrer außergewöhnlichen Leistungen am Unterricht der übernächsten Schulstufe teilnehmen. Seit September 2006 ist das Überspringen auch an so genannten „Nahtstellen“ möglich (§ 26a SchUG). Im Rahmen der neuen Oberstufe (ab dem Schuljahr 2017/18) haben (hoch-)begabte SchülerInnen auch die Möglichkeit, durch vorgezogene Prüfungen einzelne Pflichtgegenstände zu überspringen und somit auch Teilprüfungen der Reifeprüfung, Reife- und Diplomprüfung bzw. Diplomprüfung vorzuziehen (nach: www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/schulrecht/rs/1997-2017/2017_25.h).

Im Detail:

(wenn nicht anders angegeben, beziehen sich sämtliche Paragraphen auf das SchUG)

1. Überspringen von Schulstufen  -  Begabungsförderung (§26)

  1.  Ein Schüler/eine Schülerin, der/die auf Grund seiner/ihrer außergewöhnlichen Leistungen und Begabungen die geistige Reife   besitzt, am Unterricht der übernächsten Schulstufe teilzunehmen, ist auf sein/ihr Ansuchen in die übernächste Stufe der betreffenden Schulart aufzunehmen.
    Die Aufnahme in die übernächste Schulstufe ist nur zulässig, wenn eine Überforderung in körperlicher und geistiger Hinsicht nicht zu befürchten ist. Daher ist im Zweifel eine Einstufungsprüfung und allenfalls auch eine schulpsychologische und (oder) schulärztliche Untersuchung vorgesehen. Schüler/Schülerinnen der Grundschule dürfen nur dann in die übernächste Schulstufe aufgenommen werden, wenn dadurch die Gesamtdauer des Grundschulbesuches nicht weniger als drei Schuljahre beträgt.
  2. In allen leistungsdifferenzierten Pflichtgegenständen muss die Schülerin oder der Schüler gemäß dem höheren Leistungsniveau unterrichtet werden und muss die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht gemäß dem jeweils höheren Leistungsniveau in der übernächsten Stufe zu erwarten sein.
  3. Zur Entscheidung gemäß Abs. 1 ist die Schulkonferenz, an Schulen mit Abteilungsgliederung die Abteilungskonferenz, zuständig. Ein derartiges Überspringen ist je ein Mal
    • in der Grundschule,
    • nach der Grundschule bis einschließlich der 8. Schulstufe und
    • nach der 8. Schulstufe zulässig.
  4. Stellt sich nach der Aufnahme in die übernächste Schulstufe (Abs. 1) heraus, dass die Voraussetzungen für den Besuch der betreffenden Schulstufe doch nicht gegeben sind, so hat die Schulleitung mit Zustimmung des Schülers/der Schülerin die Aufnahme in die übernächste Schulstufe zu widerrufen und gleichzeitig die Aufnahme in die nächste Schulstufe auszusprechen. Der Widerruf bzw. die Aufnahme in die nächste Schulstufe ist jedoch nur bis zum Ende des Kalenderjahres der Aufnahme in die übernächste Schulstufe zulässig.

2. Überspringen an den „Nahtstellen“ (§ 26a)
     (zwischen Grundstufe und Sekundarstufe I und zwischen Sekundarstufe I und Sekundarstufe II)  

  1. Auf die Aufnahme in eine höhere Stufe einer Schulart, als es dem Alter des Aufnahmsbewerbers/der Aufnahmebewerberin entspricht, findet § 3 Abs. 6 lit. b („Ein Aufnahmswerber, der die Aufnahme in die 4. Stufe der Grundschule oder in eine Schulstufe einer  Sekundarschule anstrebt,...nicht jünger ist, als der betreffenden Schulstufe entspricht“) auf Ansuchen des Schülers/der Schülerin dann nicht Anwendung, wenn
    • bei einem unmittelbar vorangehenden Schulbesuch in Österreich die betreffende Schulstufe unter sinngemäßer Anwendung von § 22 Abs. 2 lit. g mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen wurde („die Feststellung, dass der Schüler die Schulstufe mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen hat, wenn er in mindestens der Hälfte der Pflichtgegenstände mit „Sehr gut“ und in den übrigen Pflichtgegenständen mit „Gut“ beurteilt wurde, wobei Beurteilungen mit „Befriedigend“ diese Feststellung nicht hindern, wenn dafür gleich viele Beurteilungen mit „Sehr gut“ über die Hälfte der Pflichtgegenstände hinaus vorliegen; an Schulen mit leistungsdifferenzierten Pflichtgegenständen setzt die Feststellung des ausgezeichneten Erfolges eine entsprechende Beurteilung gemäß dem höheren Leistungsniveau in sämtlichen leistungsdifferenzierten Pflichtgegenständen voraus…“),
    • die Klassenkonferenz feststellt, dass der Schüler/die Schülerin auf Grund seiner/ihrer besonderen Leistungen und Begabungen mit großer Wahrscheinlichkeit den Anforderungen der angestrebten Schulstufe und Schulart genügen wird, und
    • eine Überforderung in körperlicher und geistiger Hinsicht nicht zu befürchten ist.

      Im Zweifel ist der Schüler/die Schülerin einer Einstufungsprüfung und allenfalls auch einer schulpsychologischen und/oder schulärztlichen Untersuchung zu unterziehen.
  2. Sofern der erfolgreiche Abschluss der 4. Schulstufe der Volksschule oder der 4. Klasse der Mittelschule (bzw. der 8. Schulstufe) Voraussetzung für die Aufnahme in die 1. Stufe der Mittelschule, einer mittleren oder einer höheren Schule ist, ist diese Voraussetzung auf Ansuchen des Schülers/der Schülerin auch durch den erfolgreichen Abschluss der 3. Stufe der Volksschule oder der 3. Klasse der Mittelschule (bzw. der 7. Schulstufe) gegeben, wenn
    • diese Schulstufe unter sinngemäßer Anwendung von § 22 Abs. 2 lit. g mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen wurde (siehe oben),
    • die Klassenkonferenz feststellt, dass der Schüler/die Schülerin auf Grund seiner/ihrer besonderen Leistungen und Begabungen mit großer Wahrscheinlichkeit den Anforderungen der angestrebten Schulstufe und Schulart genügen wird, und
    • eine Überforderung in körperlicher und geistiger Hinsicht nicht zu befürchten ist.

      Im Zweifel ist der Schüler einer Einstufungsprüfungund allenfalls auch einer schulpsychologischen und/oder schulärztlichen Untersuchung zu unterziehen.
  3. Entscheidungen über Ansuchen auf Grund der Abs. 1 und 2 sind den Schülern unverzüglich unter Angabe der Gründe und, sofern dem Ansuchen nicht vollinhaltlich stattgegeben wurde, der Belehrung über die Widerspruchsmöglichkeit bekannt zu geben. Ein Widerspruch ist innerhalb von fünf Tagen ab Zustellung der Entscheidung schriftlich (in jeder technisch möglichen Form, nicht jedoch per E-Mail) bei der Schule einzubringen. Über den Widerspruch entscheidet die jeweilige Bildungsdirektion (siehe: www.bi.bildung-wien.gv.at/formulare/muster.php)

3. Überspringen einzelner Unterrichtsgegenstände (§ 26b)

  1. Schüler/Schülerinnen der 10. oder einer höheren Schulstufe an zumindest dreijährigen mittleren oder höheren Schulen, die über einen oder mehrere Unterrichtsgegenstände Semesterprüfungen gemäß § 23b erfolgreich abgelegt haben, sind nach Maßgabe der organisatorischen Möglichkeiten auf Ansuchen berechtigt, im folgenden Semester den oder die betreffenden Unterrichtsgegenstände im entsprechend höheren Semester zu besuchen.
  2. Das Ansuchen gemäß Abs. 1 ist bis zu einem von der Schulleitung festzulegenden Zeitpunkt zu stellen. Die Zuweisung zu einer bestimmten Klasse oder die Abweisung des Ansuchens hat durch die Schulleitung zu erfolgen.
  3. Die im Rahmen des Unterrichtsbesuches erbrachten Leistungen sind vom unterrichtenden Lehrer/Lehrerin zu beurteilen. Die Beurteilung gilt als Beurteilung für das betreffende Semester.
  4. Dem Schüler/der Schülerin ist ein Zeugnis über den Besuch des Unterrichtsgegenstandes oder der Unterrichtsgegenstände im betreffenden (höheren) Semester auszustellen, welches insbesondere zu enthalten hat:
    • Die Bezeichnung der Schule,
    • die Personalien des Schülers,
    • den Namen des unterrichtenden Lehrers,
    • die Bezeichnung des Lehrplanes,
    • die Bezeichnung des Unterrichtsgegenstandes sowie des Semesters,
    • die Beurteilung der Leistungen sowie
    • Ort und Datum der Ausstellung, Unterschrift des Lehrers und des Schulleiters oder (bei Abteilungsgliederung) des Abteilungsvorstandes sowie Rundsiegel der Schule.

4. Zeitweise Teilnahme am Unterricht einzelner Unterrichtsgegenstände in einem höheren Semester (§ 26c)

  1. Nach Maßgabe der organisatorischen Möglichkeiten kann für Schüler/Schülerinnen der 10. oder einer höheren Schulstufe von zumindest dreijährigen mittleren oder höheren Schulen die zeitweise Teilnahme am Unterricht einzelner Unterrichtsgegenstände in einem höheren Semester auf Ansuchen ermöglicht werden.
  2. Das Ansuchen gemäß Abs. 1 ist bis zu einem vom Schulleiter festzulegenden Zeitpunkt zu stellen. Die Zuweisung zu einer bestimmten Klasse oder die Abweisung des Ansuchens hat durch den Schulleiter zu erfolgen.
  3. Die zeitweise Teilnahme am Unterricht in einem höheren Semester dient der Vorbereitung auf die gemäß § 23b abzulegende Semesterprüfung. Die im Rahmen dieses Unterrichtsbesuches erbrachten Leistungen sind nicht zu beurteilen.

(Zuletzt aktualisiert: Oktober 2020)


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