Bei meinem Sommerurlaub in den USA wurde mir erneut bewusst,
welch wichtiges Gut die Demokratie ist – und wie sehr sie in den letzten Jahren weltweit unter Druck geraten ist.
Wer in den Straßen von New York oder Boston über die Geschichte des Landes nachdenkt, merkt schnell: Demokratie war nie selbstverständlich. Sie musste erkämpft, verteidigt und immer wieder erneuert werden. Präsidenten wie Franklin D. Roosevelt oder John F. Kennedy erinnerten die Bevölkerung immer wieder an die besondere Verantwortung, die mit demokratischer Teilhabe verbunden ist, und daran, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern tägliche Arbeit verlangt. Eine Mahnung, die auch für uns in Europa gilt.
Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung (1) steht die globale Demokratie so stark unter Druck wie selten zuvor in den vergangenen 20 Jahren. Der der Studie zugrunde liegende Transformationsindex bewertet die Regierungsarbeit, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Aktuell stehen in den untersuchten Staaten 63 Demokratien einer Mehrheit von 74 Autokratien gegenüber. Doch auch von den Demokratien sind nur wenige als voll funktionsfähig einzustufen.
Deshalb muss die Beschäftigung mit Demokratie in allen Fächern fester Bestandteil unserer Schulen sein, damit die Bedeutung für alle Lebensbereiche deutlich wird. Kinder und Jugendliche sollten früh erfahren, dass Mitbestimmung nicht abstrakt, sondern konkret und erfahrbar ist – nicht nur bei Klassensprecher:innenwahlen, sondern auch bei Projekten oder Diskussionen über aktuelle Themen bzw. generell durch Partizipation bei der Gestaltung des Unterrichts- und Schulklimas. Wer Demokratie nicht lernt, wird sie auch nicht leben. Denn eines darf uns niemals passieren: Dass wir die Demokratie erst dann zu schätzen wissen, wenn sie uns genommen wird.
(1) https://www.diepresse.com/18284418/der-globale-einbruch-in-die-demokratie-hat-begonnen, Zugriff am 31.8.2025
