Die wahren Expert:innen
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Die wahren Expert:innen

Pünktlich zum Schulbeginn treten wieder zahlreiche „Expert:innen“ auf den Plan,

die den Eltern, Schüler:innen und Lehrer:innen Ratschläge erteilen.

Obwohl vielen davon echtes Expertenwissen fehlt, sind Interviewpartner:innen dieser Art für die Medien attraktiv, da sich mit ihnen mühelos Zeitungsspalten füllen lassen und ihre Aussagen gutes Lesefutter versprechen.

In der Printausgabe der Kleinen Zeitung vom 8. September, dem Schulbeginn in der Mehrheit der Bundesländer, bezeichnet „Bildungsexperte“ Andreas Salcher ChatGPT und YouTube als „die besten Lehrer“. Vermutlich will er damit uns Lehrer:innen provozieren. Doch nehmen ihn einige Eltern womöglich ernst und nutzen seine Aussage als Ausrede, wenn sie ihren Kindern zu früh und auch zu lang den Zugang zu „modernen Medien“ gewähren.

Die Brisanz dieses Themas verdient die Auseinandersetzung mit Aussagen echter Expert:innen, z. B. mit folgender:
Auch in der vorliegenden Erhebung wird häufiger Medienkonsum der Kinder zu Hause als nachteilig für die Entwicklung, insbesondere der sprachlichen Fähigkeiten, genannt. Diese Nachteile wiegen umso schwerer, je mehr Entwicklungsaufgaben (z. B. Erlernen einer Zweitsprache) ein Kind zu bewältigen hat. In diesem Zusammenhang spielt das Bildungsniveau der Eltern eine tragende Rolle. Möglicherweise muss häufige, unbegleitete frühe Mediennutzung in Zusammenhang mit geringem Bildungsniveau der Eltern und anderer Erstsprache als Deutsch (auf Österreich bezogen) als einer der zentralen Faktoren gesehen werden, wenn Kinder ihr Potential nicht voll entfalten können.“ (1)

Den richtigen Umgang mit neuen Medien zu lernen ist Teil unserer modernen Welt geworden. Das ist ebenso klar wie die daraus entstehenden Probleme. Vieles ist im Umbruch, es wird geforscht und experimentiert. Dahingesagte Floskeln und flapsige Sager sind da wenig hilfreich.

Meine Forderung an Politik und Medien lautet also: Hört auf die wahren Expert:innen für das Bildungswesen, die Lehrer:innen und ihre Vertretung, nehmt unsere Praxiserfahrung ernst und nutzt sie!

(1) Dr. Bernhard Koch u. a., Migration und Kindergärten in Österreich (2025), S. 36.