Schule soll nicht kurzfristig nützen, sondern langfristig zum Denken befähigen.
Medien erwecken derzeit zunehmend den Eindruck, Schule sei kein geeigneter Ort, um auf das Leben vorzubereiten. Auch die suggestiv formulierten Fragen in der aktuellen Umfrage des Ministers („Bildung fürs Leben“) scheinen in diese Richtung zu zielen.Schule soll gewissermaßen auf Zuruf sämtliche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme lösen und sich dabei ausschließlich am Utilitätsgedanken orientieren. Diese Sichtweise verkennt jedoch den eigentlichen Auftrag der Schule, insbesondere des Gymnasiums: Dessen Aufgabe ist nicht, unmittelbar auf das Berufsleben vorzubereiten, sondern die Grundlage für eine allgemeine Studierfähigkeit und lebenslanges Lernen zu schaffen – für selbstständiges Denken, kritisches Urteilsvermögen und geistige Offenheit.
Eine Veranstaltung in der vergangenen Woche an der Universität Wien, die sich mit der Semesterfrage „Was sollen wir lernen, wenn sich alles ändert?“ beschäftigte, ging der Frage nach, was die heutige Generation benötige, um zukunftsfit zu werden. Eine konkrete Antwort blieb aus, denn in der immer schneller werdenden Welt weiß man wirklich nicht, welche Inhalte in Zukunft tatsächlich von Bedeutung sein werden. Umso wichtiger sind überfachliche Kompetenzen: die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, ein kritischer Umgang mit Informationen sowie die Fähigkeit, sich an neue Herausforderungen anzupassen. In diesem Zusammenhang wirkt die Forderung nach einem eigenen Unterrichtsfach Finanzbildung inmitten einer Finanzkrise rein populistisch: Auch ein derartiger Unterricht hätte die aktuelle Krise nicht verhindern können. Hingegen leistet die Auseinandersetzung mit Fächern, die für viele auf den ersten Blick weder für die Gesellschaft noch für den späteren Beruf einen unmittelbaren Nutzen zu haben scheinen, einen wesentlichen Beitrag dazu, sich in einer Welt zurechtzufinden, die sich ständig und immer rascher verändert .
Schule vermittelt Grundlagen: Es gibt viele Inhalte und Themen, die sich nicht grundlegend verändern und in leicht variierter Form immer wiederkehren. Die alten Sprachen beispielsweise öffnen den Blick in die Geschichte und machen deutlich, wie sehr unsere Gegenwart von vergangenen Entwicklungen geprägt ist. Aus der Geschichte zu lernen ist heute wichtiger denn je – in einer Zeit, in der Europa wirtschaftlich, politisch und zunehmend auch kulturell ins Hintertreffen zu geraten droht.
