Acht Millionen „Expert:innen“
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Acht Millionen „Expert:innen“

Warum fragt der Bildungsminister alle, statt auf die Expertise der Lehrer:innen zu hören?

Wie würden die Medien reagieren, würde Ralf Rangnick, der Teamchef des österreichischen Fußballnationalteams, alle Österreicher:innen über eine Umfrage um ihre Meinung zur Gestaltung des Kaders für die WM oder die Aufstellung gegen Argentinien ersuchen? Ich gehe davon aus, dass das Echo vernichtend wäre. Man würde von ihm fordern, auf wirkliche Expert:innen zu setzen bzw. seine Hausaufgaben zu machen, und das zurecht. Schnell würde seine Ablöse als Teamchef im Raum stehen.

Wie sieht es aber mit Bildungsminister Wiederkehr aus, wenn er die gesamte österreichische Bevölkerung nach ihrer Meinung zur Weiterentwicklung unseres Schulwesens fragt? Glaubt er, dass alle Expert:innen sind, da alle einmal die Schulbank gedrückt haben? Was erwartet er sich von Rückmeldungen, die auf Erinnerung an Vergangenes aufbauen, denen aber der Bezug zur aktuellen Situation an den Schulen fehlt?

Viele Kolleg:innen sehen wie ich die Umfrage als Versuch des Ministers, sich für die eigenen Pläne Rückendeckung zu holen, da die von seinen Plänen unmittelbar Betroffenen bisher Antworten gegeben haben, die ihm nicht ins Konzept passen.

Sollte ein Minister, der nun schon fast ein Jahr im Amt ist, nicht endlich im Ministerium Fuß fassen? Sollte er nicht endlich auf die Expertise der wirklichen Expert:innen für die Schulen, nämlich der Lehrer:innen bzw. ihrer Vertretung, hören, statt teure Initiativen oder Umfragen zu starten, um sich selbst zu inszenieren?

BM Wiederkehrs bisherige Aktionen haben uns statt der versprochenen Entlastungsmaßnahmen zusätzliche Arbeit beschert. Wann seine Ankündigungspolitik von allen als Schaumschlägerei durchschaut wird, wage ich nicht zu prognostizieren. Unsere Kolleg:innen haben inzwischen erkannt, dass sich unser Bildungsminister mehr auf das Marketing als auf die Arbeit zum Wohl unserer Schulen versteht. 

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