Gerade im September und Oktober finden zahlreiche mehrtägige Schulveranstaltungen statt
– von Sprachreisen über Projektwochen bis hin zu fachspezifischen Exkursionen.
Mitunter hat man den Eindruck, die Schule sei ein Reisebüro. Auch ich kam heuer wieder in den „Genuss“, eine mehrtägige Schulveranstaltung nach Oberitalien für eine 4. Klasse zu organisieren.
Wer seit vielen Jahren solche Reisen plant, weiß: Die Zeiten haben sich geändert. Der organisatorische Aufwand ist deutlich gestiegen, weil heute viel mehr individuelle Bedürfnisse und Befindlichkeiten berücksichtigt werden müssen. Die Verantwortung ist größer geworden – disziplinäre Herausforderungen, persönliche Probleme oder gesundheitliche Zwischenfälle gehören mittlerweile fast zur Routine. Die Abrechnung ist oft ein bürokratischer Albtraum, und von Eltern oder Bekannten bekommt man dann nicht selten den Satz zu hören: „Na, genieß deinen Urlaub!“
Und trotzdem – viele Lehrkräfte sind weiterhin bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Auch ich gehöre dazu. Hochwasser und Überflutungen in Grado, ignorierte Handyverbote, Krankheiten und Erschöpfungszustände bei Schüler:innen, kurzfristige Programmänderungen – all das stand bei meiner heurigen Reise auf der Tagesordnung. Organisationstalent, Optimismus und Durchhaltevermögen waren gefragt; ausreichend Schlaf wurde zur Nebensache.
Aber – wie so viele Kolleg:innen – mache ich es gerne. Denn ein paar Tage mit Schüler:innen an einem schönen Ort zu verbringen, ihre Begeisterung und Freude mitzuerleben und ihnen außerhalb des Klassenzimmers zu begegnen, macht all die Mühe wieder wett.
Bildungsforscher:innen (1) betonen immer wieder, dass Schulveranstaltungen zu den wertvollsten Erfahrungen der Schulzeit zählen. Sie fördern Selbstständigkeit, Gemeinschaft und soziale Kompetenzen – weg von den Eltern, gemeinsam mit Gleichaltrigen unterwegs, außerhalb des gewohnten Schulalltags. Mehr gelebte Gemeinschaft geht kaum!
Doch so schön diese Reisen für alle Beteiligten sind: Die Rahmenbedingungen müssen sich dringend verbessern, damit sie für Lehrkräfte nicht zu einer noch größeren Belastung werden. Sie brauchen organisatorische Entlastung und eine angemessene finanzielle Abgeltung. 24 Stunden Verantwortung zu tragen, sollte sich auch in der Bezahlung widerspiegeln. Und auf die vielfach versprochene Vereinfachung der Abrechnung warten wir immer noch. Wenn diese Rahmenbedingungen endlich geschaffen werden, können Lehrer:innen weiterhin dazu beitragen, dass Schulveranstaltungen zu den prägendsten und schönsten Erlebnissen der Schulzeit werden.
(1) www.news4teachers.de/2025/09/klassenfahrten-sind-das-beste-was-schule-leisten-kann-bildungsforscher-im-interview/, Zugriff am 7.10.25
