Wiederkehr
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Wiederkehr

„Mehr Substanz und weniger Marketing“ fordert Herbert Weiß in seinem aktuellen Edit von der Bildungspolitik ein. Wiederkehrende Versprechen sind zu wenig.

Wie schade, dass die Schulen nicht auf die Zukunft vorbereiten können, weil diese niemand kennt“, (1) reagiert Konrad Paul Liessmann süffisant auf den Plan Z von Bildungsminister Wiederkehr und trifft damit den Kern des Problems. Man kann doch Wissen nicht einfach aus der Schule verbannen, wie es im Plan Z propagiert wird, und ausschließlich auf Kompetenzen setzen! Welche außer der von manch einem offensichtlich perfekt beherrschten Inkompetenzkompensationskompetenz beruht denn nicht auf Wissen?

Wie jemand auf die Idee kommen kann, dass kritisches Denken und sinnvolles Kommunizieren ohne Kenntnisse möglich seien, bleibt schleierhaft“ (2), fragt sich nicht nur Liessmann. Die Reaktionen aus dem Kolleg:innenkreis auf Plan Z fallen entsprechend aus. Man fühlt sich vor den Kopf gestoßen und durch wiederkehrende, alte Versprechen gefoppt.

• Wieder einmal verspricht man den Schulen mehr Autonomie, „vergisst“ aber, ihnen die dafür nötigen Ressourcen zu geben. Einmal mehr besteht die Gefahr, dass „Autonomie“ ein Synonym für Mangelverwaltung ist.

• Der versprochene Abbau von Bürokratie hat bisher für die Schulen keine einzige Erleichterung gebracht. Im Gegenteil, er hat viel Verwirrung und zusätzliche Arbeit verursacht.

• Wieder einmal wird die Messung des Fortschritts hervorgehoben, als wäre sie allein schon ein Fortschritt.

Ein Bildungsminister sollte nach fast neun Monaten Amtszeit außerdem wissen, dass in den letzten Jahren intensivst auch unter Einbindung von Praktiker:innen an neuen Lehrplänen gearbeitet wurde. Wer glaubt, dass man in wenigen Monaten Lehrplanreformen entwickeln und umsetzen kann, sollte endlich mit denen reden, die seit Jahren intensiv daran arbeiten.

Meine Wünsche an den Minister kommen hoffentlich nicht auf die Liste, die man dem Christkind schickt, um sich dafür nicht mehr zuständig fühlen zu müssen: Statt bewährte Strukturen zu ignorieren und Beiräte zu schaffen, in denen die zu Wort kommen, die man sich selbst ausgesucht hat, sollte man auf die Lehrer:innen vor Ort und ihre gewählte, also demokratisch legitimierte Standesvertretung hören. Statt über die Medien unausgegorene Reformen anzukündigen, sollte man sich zuerst mit den Betroffenen zusammensetzen und gemeinsame Zielsetzungen und tragfähige Strategien erarbeiten.

Mehr Substanz und weniger Marketing wären der richtige Weg zu nachhaltigem Erfolg.
(1)    „Die ewige Wiederkehr des Gleichen“, in Kleine Zeitung vom 29. November 2025.
(2)    Ebenda.