Nicht ohne uns
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Nicht ohne uns

Reformen brauchen Mitwirkung – sonst fehlt ihnen die demokratische Basis.

Was in der derzeitigen Debatte um die Streichung von Latein und lebenden Fremdsprachen seitens des Ministeriums massiv irritiert, ist die geringe Wertschätzung gegenüber den Schulpartnern. Gewiss: Es mag mühsam sein, andere von den eigenen Vorhaben zu überzeugen. Beteiligung kostet Zeit, Abstimmung kostet Geduld, und Mitbestimmung bedeutet nicht selten auch, Kompromisse einzugehen. Doch gerade wenn man – wie so oft betont – der Demokratie im schulischen Kontext einen höheren Stellenwert einräumen möchte, sollte man bei sich selbst beginnen. Demokratie ist nicht bloß ein wichtiges Unterrichtsthema, sie ist eine Haltung. Wer Partizipation predigt, darf die demokratisch gewählten Vertreter:innen nicht übergehen – sie sind keine lästigen Bremsklötze, sondern legitime Stimmen im System. Sie vertreten Lehrerinnen und Lehrer, also genau jene, die Reformen am Ende umsetzen, mit Leben füllen und gegenüber Schülerinnen und Schülern verantworten müssen.

Wenn die Bildungssprecherin der NEOS Mag. Martina von Künsberg Sarre meint: „Die Lehrergewerkschaft sollte nicht permanent alles schlechtreden und gegen den Minister kampagnisieren, sondern konstruktiv an Lösungen mitarbeiten“, dann klingt das nach einem Appell zur Zusammenarbeit. Lediglich: Wir hätten sehr gerne konstruktiv an Lösungen mitgearbeitet – wenn wir rechtzeitig eingebunden worden wären. Wer Informationen primär über Medien erhält, wer von Reformen aus Zeitungszitaten oder über Social Media erfährt, wird nicht als Mitgestalter betrachtet, sondern zum Kommentator degradiert. Das ist kein konstruktives Miteinander. Das ist ein Vor-vollendete-Tatsachen-Stellen.

Schulleitungen und Lehrer:innen sind keine Statisten im Bildungssystem. Sie sind seine tragenden Säulen. Sie wissen, wo Reformen greifen – und wo sie wahrscheinlich an der Realität zerschellen. Sie kennen die Herausforderungen in den Klassenräumen, die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, die Belastungen im Alltag. Diese Expertise nicht systematisch einzubinden, bedeutet, wertvolles Wissen ungenutzt zu lassen. Auch die Personalvertretung und die Gewerkschaft erfüllen eine demokratische Funktion. Sie sind nicht Selbstzweck, sondern Sprachrohr. Wer sie von vornherein als Gegner abqualifiziert, verkennt ihre Rolle. Kritik ist nicht Kampagne. Widerspruch ist nicht destruktives Verhalten. Oft ist er schlicht Ausdruck von Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und dem System.

Gemeinsam ist immer der bessere Weg. Beteiligung schafft Akzeptanz. Transparenz schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist die Währung, ohne die keine Reform dauerhaft Bestand haben kann. „Nicht ohne uns“ ist daher kein Kampfbegriff. Es ist eine Einladung. Eine Einladung, Reformen nicht über die Köpfe hinweg, sondern gemeinsam mit den Menschen zu gestalten, die sie tragen und mit Leben füllen. Wer Demokratie stärken will, muss sie auch leben – gerade dort, wo Zukunft entsteht: in der Schule.

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